Bereits im Vorjahr hatten wir beschlossen, die Veranstaltung keine „Eintagsfliege“ sein zu lassen, sondern ihr eine gewisse Regelmäßigkeit zuzugestehen. Natürlich war eine komplette Wiederholung der Aktion nicht interessant, der Streckenverlauf sollte zumindest ein anderer sein, vielleicht ja etwas länger, vielleicht ja etwas fordernder?



Nach den ersten Vorgesprächen planten wir eine Umrundung des Hallstätter Sees, was wir nach einer Probebegehung des für den ersten Tag geplanten Aufstiegs aber wieder verwarfen: Die teilnehmenden Teams wären nach einer solchen Streckenlänge wahrscheinlich entweder erst sehr spät auf der Lodge am Krippenstein (dem Ziel der ersten Tagesetappe) eingelangt oder hätten nicht mehr die Motivation bzw. vielleicht auch die Kraft gehabt, das Trekking am nächsten Tag fortzusetzen. Auch nach einer deutlichen Kürzung blieb noch immer ein etwa 40 Kilometer länger Trail mit Kräfte raubenden Anstiegen über, der von ungefähr 500 Höhenmetern auf über 2000 führte. Dieses Gelände war für viele der Teilnehmer nicht alltäglich, deshalb wollten wir den Bogen nicht noch weiter überspannen – als sportliche Herausforderung sollte das absolut ausreichend sein.

Die Tage zuvor hatte ein großes Tiefdruckgebiet das Wetter in Österreich bestimmt. Starke und lange andauernde Regenfälle hatten in großen Teilen des Bundesgebietes zu Überschwemmungen, Murenabgängen und anderen Problemen geführt und eine ganze Menge bereits angemeldeter Teams sagten (auch sehr kurzfristig) ihre Teilnahme ab. Letzten Endes traten nur etwas mehr als die Hälfte der ursprünglich angenommenen Trekker an, was dem Spaß aber – so denke ich – nicht allzu viel Abbruch tun konnte.



Auch in diesem Jahr nahmen Teams aus verschiedenen Nationen (Österreich, Deutschland, Tschechien und Belgien) teil und verliehen dem Dachstein Dogtrekking dadurch wieder eine ganz besondere Note. Es zeigte sich erneut, dass die Gemeinsamkeiten wie Liebe zur Natur, zu Hunden und der Bereitschaft zur Bewegung an frischer Luft – ohne große Rücksicht auf die momentane Witterung – ganz verschieden Menschen mit unterschiedlichem sozialen oder beruflichen Hintergrund ganz problemlos und schnell an einen Tisch (bzw. zu einer Veranstaltung) bringen können.

Bereits am Vorabend der Tour wurde so auf allgemeinen Wunsch die Trekkerbesprechung in eine nahe gelegene Pizzeria verlegt, was der Gemütlichkeit zwar zu-, der Produktivität der Besprechung aber nicht abträglich war. Schnell war auf diese Art und Weise klar geworden, welche Kleingruppen am nächsten Tag gemeinsam an den Start gehen würden, immerhin mussten ja aufgrund der Gefahren des alpinen Geländes mindestens zwei (maximal vier) Mensch-Hund-Teams gemeinsam unterwegs sein. Von einheimischer Seite erfuhr ich in diesem Lokal, dass der erste Abschnitt der Tour wohl aufgrund von Aufräumarbeiten im Wald unpassierbar sei, eine Information, die wir den startenden Teams am nächsten Morgen nach einer weiteren Bestätigung von öffentlicher Seite mitteilten. Durch diesen Umstand wurde zwar die Höhenmeteranzahl der Gesamttour ein wenig geringer, Mensch und Hund hatten aber Gelegenheit, die ersten paar Kilometer in verhältnismäßig flachem Gelände zurückzulegen und sich so ein wenig einzugehen bzw. zu –laufen.



Der Start vom Hallstätter Campingplatz fand in einem Zeitfenster zwischen 8.00 und 9.00 Uhr statt, viele Teams brachen bereits sehr früh auf und noch lange vor Ablauf der gesamten Stunde waren alle auf dem Trail. Ab Obertraun ging es deutlicher bergauf. Es wurde in der Nähe der Seilbahn zur Schönbergalm aufgestiegen, anschließend folgten die Dogtrekker und ihre Hunde dem schon recht anspruchsvollen Pfad Richtung Krippenstein, den sie in weiterer Folge für einen Abstecher zum Heilbronner Kreuz verlassen mussten. Viele Teams waren dort schon ein wenig abgekämpft, hatten sie doch den Großteil der Strecke (und auch den Löwenanteil der Höhenmeter) bereits hinter sich gebracht. Kraft kostete etwa das Queren von Schneefeldern oder auch das Überwinden von Geländestufen, etwas, das ein deutlicher Gradmesser für die Qualität der Zusammenarbeit zwischen Zwei- und Vierbeinern sein kann.



Nun bestanden zwei Möglichkeiten, den Weg zur Krippenstein-Lodge zurückzulegen: eine technisch anspruchsvollere, aber kürzere oder eine etwas längere, aber auf einem gemütlichen Schotterweg verlaufende. Jede Teilnehmergruppe entschied für sich und alle gelangten so auf ihre bevorzugte Art und Weise zum Etappenziel dieses Tages. Allein zwei tschechische Mensch-Hund-Teams gerieten in ein Gewitter, das am späteren Nachmittag (wohl aufgrund der vorhergegangenen hohen Tagestemperaturen) aufzog, aber auch diese Teilnehmer gelangten letzten Endes zwar nass und müde, zur Erleichterung von uns Organisatoren aber sicher zur Lodge.

Es folgten ein ausgiebiges und wie immer sehr gutes Abendessen sowie gemütliches Geplauder im Speiseraum unseres Quartiers, der durch die riesigen Baumstämme, aus denen er besteht, und dem traumhaften Bergpanorama hinter den großen Fensterscheiben ja ein ganz besonders Flair bietet – selbst wenn das Wetter feucht und ungemütlich sein mochte.
Nur ein kleines Grüppchen fand sich jedoch diesmal zum abendlichen Singen ein, die meisten Teilnehmer gingen sehr früh schlafen und bereiteten sich so auf den nächsten Tag vor.



Der folgende Morgen bot wechselhaftes Wetter: Zwar war es auf dem Krippenstein trocken, teilweise sogar sonnig, immer wieder einfallende Nebelbänke erinnerten aber daran, dass die Verhältnisse im Gebirge schnell umschlagen können. Und wirklich – die meisten Teams gerieten an diesem zweiten Tag in den einen oder anderen Regenschauer. Gesamt gesehen konnten wir alle aber mit den Umständen durchaus zufrieden sein. Die meisten Teilnehmer brauchten geländebedingt deutlich weniger Zeit für diese zweite Etappe, da es keine nennenswerten Aufstiege gab, sondern der Trail flach oder bergab über das Dachstein-Plateau und durch das Echerntal zurück zum Hallstätter Campingplatz führte.


Dementsprechend gelöst und entspannt war dann auch die Stimmung bei der Trekkerehrung, bei der wieder die obligaten Teilnahmeurkunden sowie wunderbare Sachpreise verschiedener Sponsoren an die Teams überreicht werden konnten. Auch dieser Abend endete in der bereits erwähnten Pizzeria und fand so noch einen ungemein netten gemeinsamen Ausklang, der ungeachtet von Herkunft und Alter manchen Teilnehmern sogar Möglichkeit für ernsthafte und weniger ernsthafte, auf alle Fälle aber äußerst unterhaltsame Diskussionen über Gott, Dogtrekking und die Welt bot.

Ich durfte diesmal sogar eine Entdeckung machen, die mich – besser uns Organisatoren – sehr, sehr freute:
Einige der Teilnehmer kamen mit Vorschlägen für weitere Dogtrekking-Veranstaltungen und boten ihre aktive Mitarbeit in der Akquisition von Routen, Unterkünften und Kontakten zu öffentlichen Stellen oder Sponsoren an. Einige Gespräche an diesem Abend (und in weiterer Folge per E-Mail) ließen in mir eine große Hoffnung keimen – nämlich die, dass dieses Dachstein Dogtrekking vielleicht ein weiterer großer Meilenstein in der Entwicklung einer richtigen Dogtrekker-Szene in unserem Land gewesen sein könnte. Die Saat schien aufzugehen – wie die Ernte ausfallen würde, das würden wohl erst die nächsten Jahre zeigen. Spannend dürfte es auf alle Fälle werden.