Für mich persönlich ist dies heute noch eine ganz besondere Veranstaltung. Warum, das werde ich am Ende des Berichtes noch ausführlich darlegen, zuvor aber soll noch ein Überblick über das folgen, was diesem intensiven Wochenende vorausgegangen war und natürlich eine Beschreibung der Veranstaltung selbst. Ein typisch wienerisches Resümee wäre: „Guat is gangen, nix is gschehn!“
Andererseits - geschehen ist eigentlich doch eine ganze Menge:

Bereits einige Zeit hatten wir - das Organisatorenteam - überlegt, wo das erste offizielle Dogtrekking-Rennen Österreichs stattfinden sollte, bevor wir uns für die Gegend des nördlichen Wienerwaldes um Klosterneuburg entschieden – und das aus mehreren Überlegungen:
Erstens sahen wir es als unsere Pflicht an, dass die Strecke vorab gründlich und einige Male unter die Lupe genommen werden konnte um eventuelle Gefahrenquellen für die Teilnehmer gering zu halten (ausschließen kann man diese bei einer Outdoor-Sportart wohl nie ganz). Zweitens musste eine entsprechende Infrastruktur - Campingmöglichkeit, Lokalität für Vorbesprechung und Siegerehrung, mit Fahrzeugen erreichbare Checkpoints u.v.m. - garantiert sein.
Auch das Wie war zu klären: Einen Long-Distance-Bewerb über zwei Tage und rund 100 Kilometer (wie es in den Ursprungsländern des Dogtrekking üblich ist) als Einstiegsveranstaltung für eine neue, in dieser Form unbekannte Sportart zu anzubieten, erschien uns nach einigen Diskussionen und dem sorgfältigen Abwägen sämtlicher Argumente doch zu problematisch. Andererseits sollte es doch ein echtes Dogtrekking-Rennen, kein Vereinsausflug oder ein Hundespaziergang werden. All diese Veranstaltungen haben ihren Platz und Sinn, doch an diesem Wochenende wollten wir eben den Wettkampfsport Dogtrekking in Österreich vorstellen. Wir entschieden uns also für ein Mid-Distance-Rennen über etwa 40 Kilometer und mit nur einem Tag Wettkampfdauer. Diese Form ist in den Ursprungsländern des Dogtrekking ebenfalls durchaus üblich, wir liefen also nicht Gefahr die grundlegenden Regeln dieses Sportes zu verwässern.
Nach ausgiebigen Probebegehungen des Gebietes, nach Telefonaten und Absprachen mit den zuständigen Behörden war es am Abend des 14. September 2007 soweit: Die Teammitglieder und einige der bereits früh angereisten TeilnehmerInnen trafen sich zu einer Vorbesprechung am Gelände des Klosterneuburger Campingplatzes. Am Programm standen letzte organisatorische Absprachen, Informationen zum Sport Dogtrekking an sich sowie ein Kennenlernen oder Wiederauffrischen bestehender Bekanntschaften, was zur Folge hatte, dass erst deutlich nach Mitternacht alle DogtrekkerInnen in den Zelten oder Fahrzeugen verschwunden waren.


Am Samstag trafen pünktlich um sieben Uhr alle weiteren TeilnehmerInnen im Startbereich ein und auch diese wurden über die Strecke, über den Ablauf und den Zeitplan der Veranstaltung informiert. Gestartet wurde im Nieselregen und in Minutenabständen, orientiert wurde nach Wegbeschreibung und Karte, die jede(r) TeilnehmerIn erhalten hatte.
Der Weg führte zuerst durch die Korneuburger Altstadt auf den Buchberg, von wo über den Haschhof und die Hohenauwiese die Windischhütte – der erste Checkpoint - erreicht werden sollte. Bald allerdings erhielt das Team einen Anruf des führenden Teilnehmers, dass der Weg wegen dringender Forstarbeiten gesperrt sei. Die Dogtrekker wurden nun per Handy oder umkehrenden TeilnehmerInnen von diesem Umstand verständigt und angehalten einen weiter südlich verlaufenden Weg zum ersten Checkpoint einzuschlagen, was mit Hilfe der Karten glücklicherweise allen Teams möglich war. Trotz dieses Umweges lagen die meisten DogtrekkerInnen aber gar nicht schlecht im Zeitplan. Die ehrgeizigen ließen sich lediglich ihre Startkarten abzeichnen und wanderten sofort weiter, andere (denen es vor allem ums Durchkommen oder aber zumindest aber ums Dabeisein ging) genehmigten sich noch einen Kaffee und/oder eine Mehlspeise im Gasthof Windischhütte, deren Belegschaft den DogtrekkerInnen genauso wie dem Organisationsteam äußerst freundlich entgegenkam und sich an unserer Veranstaltung sehr interessiert zeigte.


Nach diesem ersten Wegabschnitt besserte sich das Wetter rapide, die Sonne blinzelte immer wieder zwischen mittlerweile harmlosen Wolken hervor und die TeilnehmerInnen wanderten zügig und (mehr oder minder) direkt zum zweiten Checkpoint, der in Unterkirchbach, nahe der Greifvogelstation Hagenbachklamm gelegen war. Die schnellsten DogtrekkerInnen waren nach wie vor nicht zu langen Pausen zu bewegen, andere dachten an diesem Kontrollpunkt – nach nicht ganz der Hälfte der zurückzulegenden Distanz – aber bereits laut über einen Abbruch nach. Dies wäre schade gewesen, lag doch der landschaftlich attraktivste Teil der Strecke (der einen Abstieg durch die romantische Hagenbachklamm inkludierte) noch vor ihnen; und tatsächlich: Letzten Endes entschlossen sich alle Mensch-Hund-Teams zumindest noch den nächsten Streckenabschnitt bis Hadersfeld in Angriff zu nehmen. Da dieser dritte Checkpoint direkt neben einem Tennisplatz mit Kantine lag (diese wurde von den DogtrekkerInnen auch zuhauf in Anspruch genommen und für ein paar entspannende Momente in der Nachmittagssonne genutzt), ergaben sich immer wieder Gespräche mit Passanten, in denen wir nicht nur Dogtrekking vorstellen, sondern auch über das Leben mit Hunden im Allgemeinen plaudern konnten.


Auch wenn es zur Tageshalbzeit so ausgesehen hatte, als ob ein paar TeilnehmerInnen aufgeben würden, so schien das Erreichen dieses letzten Checkpoints vor dem Ziel auch den müdesten DogtrekkerInnen wieder Auftrieb zu geben und der sanftwellige Abstieg nach Klosterneuburg und zurück zum Start-/Zielbereich wurde von ausnahmslos allen in Angriff genommen.
Im Laufe dieses strahlend schönen Nachmittags trafen in mehr oder minder großen Abständen nach und nach alle TeilnehmerInnen im Ziel ein und genehmigten sich und ihren vierbeinigen Teampartnern den einen oder anderen Schluck Flüssigkeit. Der schnellste Dogtrekker war bereits vor 15 Uhr im Ziel, die letzten erreichten den Endpunkt der Wanderung in Klosterneuburg um etwa 20.15 Uhr, alle jedoch konnten – aus ganz verschiedenen Gründen – wirklich stolz auf ihre Leistung sein. Jede(r) war im Verlauf dieses Tages über sich hinaus gewachsen, jede(r) hatte die Chance gehabt ein wenig über sich selbst zu erfahren, jede(r) hatte sich das folgende Abendessen in einem nahe gelegenen Lokal redlich verdient.


Bei der abschließenden Siegerehrung waren zwar allen DogtrekkerInnen die Anstrengungen des Tages deutlich ins Gesicht geschrieben, aber für ein Siegerlächeln hatten sie noch genug Kraft – und an diesem Abend gab es nur Sieger. Natürlich konnten nicht alle die Schnellsten sein, aber das Durchhaltevermögen und die Selbstdisziplin, die das Organisationsteam an diesem Samstag hatte beobachten können, waren bewundernswert.
Und warum war das Ganze nun eine so besondere Veranstaltung?
Einerseits, weil es das allererste offizielle Dogtrekking-Rennen auf österreichischem Boden war, andererseits, weil die Erfahrungen, die die TeilnehmerInnen an diesem langen Tag gemacht hatten, meines Erachtens nach der beste Nährboden für eine ehrliche Begeisterung für die Sportart Dogtrekking sind, die man aus zweiter Hand – auch aus noch so anschaulichen Berichten - nie erlangen kann. Da mit dieser Veranstaltung ein Grundstein für die Entstehung einer Dogtrekking-Szene in Österreich gelegt worden war, hatte sie aus heutiger Sicht ihren Zweck mehr als zufrieden stellend erfüllt.