Seien wir ehrlich: Der übliche Spaziergang stellt - sofern sie angeleint sind - für unsere Hunde meist nur eine müde und recht sinnleere Aktion dar, die maximal dazu dienen kann Unterordnung zu trainieren. Viel zu unterschiedlich sind die typischen Gehgeschwindigkeiten von Zwei- und Vierbeinern. Selbst schnelles Marschieren ist für den Großteil unserer Hunde nur eine eher zähe Form des Vorankommens. Erst, wenn wir Menschen uns locker laufend in Bewegung setzen, beginnt es für Hunde zu einer angenehmen Art der Fortbewegung zu werden - die aber, wenn wir nicht gerade sprinten, trotzdem noch genug Spielraum zum (zumindest oberflächlichen) Schnüffeln und Erkunden der Umgebung lässt. Dies soll nun kein Plädoyer für Dogtrekking als Langstreckenlauf sein, sondern nur deutlich machen, wie es um die Ressourcenverteilung im Team Mensch-Hund bestellt ist.

Viele andere Hundesportarten stellen eher für den Vierbeiner denn für den Zweibeiner eine körperliche Herausforderung dar. Beim Dogtrekking liegt der Sachverhalt deutlich umgekehrt. So verschieden wie die Zugänge und Strategien beim Dogtrekking sind, so verschieden ist auch das aufzuwendende Training. Darüber hinaus ist auch hierbei der körperliche Status Quo des Sportlers zu beachten: Es hat wohl wenig Sinn, ohne gute konditionelle Basis ein intensives Lauftraining zu beginnen, weil man bei einem Hundert-Kilometer-Dogtrekking unbedingt unter die Top Ten kommen möchte.

 

Die körperliche Basis für das herkömmliche Wandern schafft man sich auch am besten durch langsames Steigern der Distanzen vom Spaziergang zur Mehrtagestour. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, der kann auch vor der Aufnahme regelmäßiger Wandertouren einen leistungsdiagnostischen Test beim Sportmediziner durchführen lassen. Das ist natürlich für diejenigen interessant, die nach einiger Zeit einen weiteren Test durchführen lassen möchten, um eventuelle Veränderungen diverser Parameter wie Laktatschwelle, Atemkapazität oder Körperfettanteil zu vergleichen.

Den wenigsten von uns wird es aber aufgrund sozialer und/oder beruflicher Umstände möglich sein, zwei- bis dreimal die Woche eine Tages- oder sogar Mehrtagestour mit dem Hund zu unternehmen. Das Training muss also in den meisten Fällen in den Alltag integrierbar sein, was kürzere Bewegungseinheiten bedingt. Die Möglichkeiten, sich trotzdem auf längere Touren vorzubereiten sind vielschichtig, greifen aber reibungslos ineinander und bieten für Sportler ganz verschiedener Leistungsgrade trotzdem immer neue Reize und Herausforderungen:

Das Wandern selbst ist ja nichts anderes als ausdauerndes Gehen, eigentlich die natürlichste Bewegungsform. Die meisten Menschen werden damit sofort beginnen können, sollten jedoch auch hier zwei bis drei Stunden am Anfang nicht überschreiten, Pausen einplanen und zu Beginn eher flachere Gegenden für ihre Wanderungen aussuchen. Durch diese Maßnahmen ist zusätzlich auch sicher gestellt, dass die Fähigkeiten des Hundes mit den Anforderungen wachsen können (obwohl unsere Vierbeiner in diesem Bereich meistens einen enormen Leistungsvorsprung haben). Nicht vergessen sollte man allerdings auf die kontinuierliche Steigerung der Trainingsreize: Von Woche zu Woche sollten die Touren ein wenig herausfordernder werden (zwei Kilometer länger, etwas hügeliger etc.).


Selbstverständlich werden durch das Wandern nicht nur die unmittelbar messbaren Leistungen erhöht, auch der Körper passt sich mehr und mehr an: Das dadurch erzielte Training der Bein- und Stützmuskulatur und die Verbesserung der allgemeinen Ausdauer haben durchwegs positive Auswirkungen. Auch die Koordination wird für gewöhnlich verbessert, besonders durch das Begehen nicht befestigter Wege, das man ganz bewusst einbauen sollte. Wurzeln oder Geröll können hierbei oftmals wirklich große Ansprüche an den Gleichgewichtssinn, die Kraft der Fußgelenke und die Stabilität von Bändern und Sehnen stellen. Das Überwinden von Hindernissen wie umgestürzten Bäumen, Gräben oder Felsblöcken ist eine weitere Herausforderung, die gezielt - mit dem Hund an der Leine und Gepäck auf dem Rücken - trainiert werden sollte. Durch regelmäßiges Wandern kann auch eine optimierte Arbeit des Herz-Kreislaufsystems herbeigeführt werden, ein nicht zu unterschätzender Aspekt in der Gesundheitsförderung, vor allem, wenn man bedenkt, dass Erkrankungen dieses Bereichs nach wie vor die häufigste "natürliche" Todesursache in den Industrieländern darstellen.

Mit einer Erhöhung der Kilometerleistung wird man unweigerlich auch auf eine Erhöhung der Marschgeschwindigkeit hinarbeiten müssen. Diese ergibt sich durch den besseren Trainingszustand und die durch Übung gesteigerte und effektiver funktionierende Zusammenarbeit des Mensch-Hund-Teams einerseits von selbst, andererseits ist es auch sportlich gesehen reizvoll, sich an eine höhere Gehgeschwindigkeit zu gewöhnen. In dieser Trainingsphase kann man bereits ohne weiteres beginnen, an den ersten Dogtrekking-Rennen teilzunehmen, wobei das Ziel zu Beginn sicherlich das Finishen (das heißt das regelkonforme Beenden des Bewerbes) sein sollte.

Viele - auch sehr erfolgreiche und routinierte -  Dogtrekker  bleiben auf dieser Stufe der körperlichen Aufbauarbeit stehen und verfeinern nur mehr ihre Taktik im Zurücklegen der vorgegebenen Strecken bzw. im Überwinden diverser Hindernisse oder der Orientierung. Anderen erscheint es reizvoller, ihre Fitness so zu steigern, dass immer mehr und größere Teilstücke des Trails gelaufen werden. Hierbei orientiert man sich dann am besten an Trainingsplänen für Sportler wie Marathon- oder Ultramarathonläufer, was allerdings den Rahmen dieses Buches sprengen und ein wenig an seinem ursprünglichen Thema vorbeigehen würde. Weiterführende Informationen dazu finden sich aber in den, im Anhang aufgeführten, Büchern und auf den dort genannten Websites. Trotzdem noch einige Worte dazu:

Laufen mit dem Hund (auch Canicross genannt) bietet sich besonders bei Zeitmangel natürlich als ideales Training an. Ich muss allerdings dringend davor warnen, sich in diesem Bereich zu überschätzen: Besonders, wenn man etwas zu viel Gewicht mit sich herumschleppt, kann ein plötzliches – erfahrungsgemäß meist zu hoch dosiertes – Lauftraining zu chronischen Gelenksproblemen führen. Durch die Mitarbeit des Hundes ist man in Versuchung, schneller zu laufen und die Füße härter aufzusetzen, als Muskeln und Gelenke das ohne Schäden überstehen können. Mein Tipp lautet daher, eventuelles Übergewicht durch Gelenk schonende Ausdauersportarten wie Radfahren oder Schwimmen in Kombination mit korrekt ausgeführtem Krafttraining sowie einer sportorientierten Ernährung zu reduzieren und erst in einem weiteren Schritt ins Lauftraining einzusteigen. Zu schnell verliert man durch lästige Kniebeschwerden oder sonstige Gelenks- bzw. Rückenprobleme die Freude an der Sportart, die einem eigentlich am meisten entsprochen hätte. 

Abschließend noch ein paar Gedanken zum Lauftraining für Dogtrekker, welches ich durchaus empfehle, auch wenn man beim Dogtrekking selbst keinen einzigen Laufschritt machen möchte. Es schafft einfach eine glänzende konditionelle Basis für das Langstreckenwandern - sofern im Training nicht schon gravierende Fehler gemacht wurden:  Zu weites, zu schnelles, zu häufiges Laufen sind, kurz gesagt, die häufigsten Sünden bei dieser Sportart, die dann auch oft - wie bereits erwähnt - zu Verletzungen führen. Man darf nicht vergessen, dass unsere Knochen, Sehnen und Bänder (im Gegensatz zu den Muskeln) mehrere Wochen Zeit benötigen, bis sie das regelmäßige Laufen aushalten können. Besonders als Anfänger kommt man in Versuchung, sich zu überschätzen und tappt in die Falle des Übertrainierens. Das ist dann der Fall, wenn Anstrengung und Erholung im falschen Verhältnis zueinander stehen. Die Leistungen stagnieren oder sinken sogar, man fühlt sich nicht hundertprozentig gesund, die Lust auf das Training schwindet. Alle diese Effekte kann man durch vernünftige Trainingsplanung vermeiden. Hier heißt es oft: Weniger ist mehr!

Zu intensivem Training wird nachgesagt, Stimmungsschwankungen, Anfälligkeit für Infekte und eben Verletzungen zu verursachen. Untersuchungen haben gezeigt, dass das Immunsystem nach einem Marathonlauf noch tagelang beeinträchtigt sein kann - für ein Dogtrekking-Rennen (das meist über mehr als die doppelte Marathondistanz geht) kann man wohl Ähnliches annehmen. Am besten hält man sein Training in einem Rahmen, der es stressfrei ermöglicht, regelmäßig zu trainieren. Ich persönlich habe gute Erfahrungen mit drei bis fünf verschieden langen wöchentlichen Laufeinheiten (immer mit Hundebegleitung) gemacht, es ist aber zu beachten, dass jeder Sportler gemäß seinen Zielen und seinen Freizeitmöglichkeiten trainieren muss.


Noch einmal: Ganz egal, auf welcher Leistungsstufe man einsteigt und wie man seine Trainingsprioritäten setzt, wichtig ist, jede Aufbauarbeit vorsichtig und in kleinen Schritten zu leisten, da es sonst sehr leicht zu Überforderung und chronischen Beschwerden kommen kann, was einem sehr bald die Freude am gemeinsamen Unterwegssein mit dem tierischen Trainingspartner wieder rauben und zusätzlich dazu die Vorzüge sportlicher Betätigung in ihr Gegenteil verkehren kann.

Und nicht vergessen: Der Hund braucht seine Bewegung, unabhängig von eigenen Befindlichkeiten – dies ist der beste (da uneigennützigste) Grund gesund und leistungsfähig zu bleiben!